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Pow Pow Movement Interview
2009
michael. Seit mehr als 15 Jahren existiert das Pow Pow Movement aus Deutschland und inzwischen sind sie gar nicht mehr wegzudenken aus der internationalen Dancehall-Szene. Durch ihre langjährige Arbeit hinter den Turntables und im Studio haben sie schon reichlich Erfahrung auf dem Buckel. Während sich andere Sounds noch beweisen müssen, ist Pow Pow Movement zu einem Vorbild für junge, aufstrebende Sound-(Systems) geworden. Ich habe Ingo, Mitbegründer des Pow Pow Movements, in Zürich getroffen, kurz vor seinem Auftritt in der gut gefüllten Toni Molkerei in Zürich.
Wenn du auf die 15-jährige Karriere des Pow Pow Sounds zurückblickst, gibt es da bestimmte "Highlights", welche dir spontan in den Sinn kommen?
Da gibt es viele! Es ist schön zu sehen, dass wir junge Sounds für die Reggae Musik begeistern konnten. Meine persönlichen Highlights liegen eher in den Anfängen des Sounds, in den rebellischen Zeiten, als wir illegale Dances veranstalteten und das Ganze noch nicht so offiziell war. Damals mussten wir noch darum kämpfen, damit sich eine Szene aufbauen konnte! Es war eine tolle Zeit und damals konnte man das wirklich nur mit Herzblut machen, es war ja keine lukrative Sach, das muss man aus Spass an der Sache machen. Weitere Highlights sind sicher auch die Besuche in Jamaika und die Leute, welche ich in all den Jahren kennengelernt habe. Auch die Auftritte im Ausland machen Spass, auf diese Art in der Welt herum zu kommen und coole Leute kennenzulernen ist gut. 15 Jahre ist eine lange Zeit, darum gibt es sicher noch vieles, welches ich hier nicht erwähnt habe. Wenn ich die Dancehall heute betrachte und dann ein paar Jahre zurückblicke, bin ich schon froh, dass ich noch die Rub-A-Dub Tage erleben durfte! Ich habe Dennis Brown oder Garnett Silk erlebt, welche meine grossen Helden sind.
Wo siehst du denn die grössten Unterschiede zwischen früher und heute in der Reggae und Dancehall Szene?
Nun, die Entwicklung des Reggae hat schon immer sehr viel Positives gebracht. Früher war Reggae eine Spartenmusik, Reggae war Underground. Dann hatte Reggae sein Hoch als es sehr mainstreamig wurde mit Sean Paul oder Shaggy und halt nicht mehr so "original" war. Doch durch diesen Hype wurde Reggae noch einmal richtig bekannt und viele Leute gelangten auf diesem Weg, über Leute wie Sean Paul zum "Original Sound", zu den Foundation-Songs. Ich denke dieser Hype hat die Szene sicherlich weiterentwickelt, das ist Positiv. Was teilweise einen negativen Effekt hat, ist Reggae im Internet. Einerseits kann man sich heute enorm viel Informationen und Musik übers Netz beschaffen und sich so informieren, ohne jemals in Jamaika gewesen zu sein. So gibt es womöglich viele Leute, welche das "richtige" Jamaika, die Wurzeln der Musik und die Liebe der Leute noch gar nicht entdeckt haben. Es geht ja eigentlich um mehr als einfach nur Musik aus dem Internet zu ziehen, es ist ja eigentlich ein Lebensstil.
Nochmals zurück zu euren Anfängen. Gab es eigentlich mal ein eigen gebautes Soundsystem in euren Reihen?
Für uns war das damals sehr wichtig. Denn als Soundsystem wollten wir auch ein solches besitzen! Da wurden dicke Boxentürme gebaut, Verstärker angeschleppt und so weiter. Wir haben das alles gemacht, aber mittlerweile stehen noch 4 Bassrutschen im Keller, die Verstärker benutzen wir teilweise noch im Studio, aber sonst wurde das ganze schon sehr abgespeckt. Durch die heutige Entwicklung brauchen wir dieses Equipment nicht mehr, weil wir keine Outdoor-Dances organisieren und sonst aufgrund unseres dichten Programmes nicht die Möglichkeit hätten, immer unser Soundsystem mitzuschleppen, das wäre zeitlich einfach nicht machbar. Zudem sind die meisten Clubs, welche uns buchen eigentlich sehr gut ausgerüstet, was das Soundsystem anbelangt.
In der Schweiz bringen viele Leute den Namen Pow Pow Movement mit Gentleman in Verbindung. Inwiefern profitiert eigentlich Pow Pow vom Erfolg von Gentleman?
Dass wir davon profitieren würde ich nicht sagen. Gentleman ist ja inzwischen ein Popstar und hat seine eigene Fangemeinde, die auch nicht unbedingt der Reggae Szene angehört. Natürlich haben wir noch immer ein gutes Verhältnis wie immer und dadurch dass ich ja auch als Produzent tätig bin, achte ich jeweils darauf, dass auf unseren Riddims immer auch ein Gentleman zu hören ist.
Vielleicht kann man ihn ja wieder mal mit euch auf der Bühne antreffen...
Ich denke das ist momentan nicht möglich, weil er einfach zu beschäftigt ist und mittlerweile auch zu bekannt dafür. Denn es ist schwierig als Gentleman an eine Party zu gehen, weil die Popularität so gross ist.
Mittlerweile habt ihr sicher eine Art "Vorbildfunktion" für gewisse junge aufstrebende Sounds. Wie ist euer Verhältnis zu den Newcomern? Gibt es Sounds, welche ihr speziell pusht?
Bei vielen der heute bekannten Sounds waren wir massgeblich daran beteiligt, dass sie angefangen haben, sich mit Reggae zu beschäftigen und sich dafür interessierten. Gerade gestern haben wir sieben "upcoming sounds" aus Köln in unseren Resident-Club (Petit Prince Club) eingeladen haben, damit wir diese einem breiteren Publikum vorstellen konnten. Wir spielen im Petit Prince schon seit 12 Jahren und der Club ist sowieso jeden Freitag voll, darum ist dies eine gute Gelegenheit für die jungen Sounds, sich zu beweisen! Ich glaube durch diese Plattform erhalten wir auch die Szene am leben. Wir bieten den Newcomern auch an, uns mal im Studio zu besuchen, damit sie sehen, wie wir arbeiten oder bei Dubplate-Session anwesend sein können.
Während sich die Szene verändert hat, gab es auch neue Mitglieder beim Pow Pow Movement. Was hat sich verändert in den letzten Jahren?
Vor ca. 3 Jahren ist Junior Carl zu uns gestossen. Er hat vorher bei einem kleinen Soundsystem in Köln gespielt, war da aber nicht mehr so glücklich und so war es für ihn, als würde er in einen 1. Liga Verein wechseln, als er zu uns kam. Das Timing war perfekt, dann kurze Zeit später verliess Backra, einer der Mitbegründer, den Sound. Dann kam noch Paul hinzu, der als Operator (Effekte etc.) und Engineer im Studio bei uns arbeitet, gleichzeitig spielt er noch in einer Reggae Band. Dann gibts noch Jonas, ein upcoming Selector, der momentan bei uns reinschaut um zu erfahren wie das so läuft bei einem Soundsystem und was so alles dazugehört. Wir haben eigentlich immer ein offenes Ohr und wenn die Vibes stimmen kann sich noch vieles ergeben. Durch die Verstärkung von Junior Carl zum Beispiel haben wir wieder viel neuen Wind gespürt und mittlerweile geht er schon richtig ab!
Gibts viele Auftritte, bei denen du nicht dabei bist?
Ja das gibt es schon. Gestern hatten wir 2 Shows an einem Abend, in Köln und Frankfurt. Da ist dann unser zweiter Selector, Mr. Brown, mit Junior Carl gespielt. Klar wäre es am besten, wenn wir alle dabei wären, aber zeitlich liegt das einfach nicht drin. Unsere Crew ist flexibel, wir können mit zwei oder auch drei Leuten auf der Bühne stehen, die Kombination ist egal. Es kommt jeder mit jedem klar und das ist für uns als Soundsystem sehr wichtig, ich bezeichne dies als der "Pow Pow Vibe"!
Gibt es denn noch mehr Leute, welche im Hintergrund von Pow Pow arbeiten?
Eigentlich nicht, die Crew besteht aus fünf Mitgliedern: Junior Carl, Paul, Devon, Mr. Brown und ich. Das Label / Studio mache ich eigentlich vorwiegend alleine, in letzter Zeit hilft aber Paul auch noch mit. Der Rest der Crew macht beim Soundsystem mit. Auch die Website, Promo, Bookings etc. machen wir alles selber, da hat jeder seine Fähigkeiten.
Du hast das Pow Pow Label erwähnt. Gibts da neue Veröffentlichungen, die anstehen?
Da haben wir aktuell zwei Alben die bald veröffentlicht werden. Das ist ein neuer Künstler aus Jamaika mit dem Namen "Zareb", früher hiess er Mr. Flash. Am 2. November wird es erscheinen und enthält einige gute Produzenten wie unter anderem Bobby Digital, Fatta Soul Vibes aus Frankreich, Highscore aus Schweden oder natürlich Pow Pow und mehr Produzenten aus Jamaika. Das wird ein super Conscious Album. Im Dezember sollte ein 3-Künstler-Album veröffentlicht werden mit Anthony B, Turbulence und Jah Mason, jeder hat fünf Songs drauf, insgesamt werden zehn bisher unveröffentlichte Songs darauf erscheinen. Zudem arbeite ich gerade an drei oder vier Riddims, die sollten eigentlich auch noch dieses Jahr veröffentlicht werden. Ich möchte momentan keine grossen Selections mehr machen mit 20 Künstlern auf einem Riddim, ich denke das ist momentan ein bisschen "out of time". Es wird sicherlich schwer werden, weil sobald der Riddim fertig ist werden viele Artists voicen, aber als Release möchte ich nicht mehr so grosse Selections machen. Anfangs 2008 stehen dann noch mehr Veröffentlichungen an.
Wie wählst du denn die Künstler aus, welche auf den Riddim passen? Gibt es da Richtlinien, die ein Künstler einhalten muss?
Meistens ergibt sich das einfach so. Ich habe natürlich schon bestimmte Vorstellungen und versuche dann die Verbindung zum Künstler in Jamaika aufzunehmen. Wenn es dann klappt bin ich immer happy und meistens ergeben sich in Jamaika dann sowieso noch mehr Kontakte zu neuen Sängern. Mir ist es wichtig, dass wir auch neue oder unbekannte Artists auf unseren Riddims veröffentlichen. Davon lebt das Business ja auch, wir müssen die Talente fördern.
Genau, so wie zum Beispiel Cali P aus der Schweiz!
Ja richtig, Cali P gefällt mir persönlich sehr gut und ich finde er ist ein sehr vielversprechender Artist gerade hier in Europa. Er ist sehr flexibel in seinen Styles und ist zudem ein guter Live Artist. Ich bin gespannt darauf, wie das Album von ihm ankommen wird...
Was möchtest du mit Pow Pow noch erreichen?
Ich möchte schon lange eine Japan Tour machen. Ab und zu lizenziere ich auch Songs nach Japan, ich weiss also, dass der Markt da ganz gut ist. In Jamaika habe ich viele japanische Sounds kennengelernt. Mit Mighty Crown wollten wir vor drei Jahren schon eine Japan Tour machen, aber bisher hat immer das Timing oder die Zeit dazu gefehlt. Ansonsten ist alles gut so und kann so bleiben, wir haben viele Auftritte und es läuft sehr gut. Nächstes Jahr möchten wir noch eine Afrika Tour machen und freue mich sehr darauf, um mit den vielen unentdeckten Talenten aus Afrika zu arbeiten.
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