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Interview: Sounding
(2010)
SOUNDING, die Berliner Reggaeband, veröffentlichte im Mai 2010 ihr erstes Album »Travelin«. Um mehr über die junge Band zu erfahren, hat «bredda I-mountain» Fragen zu ihrem Namen, ihrem Stil und natürlich zum neuen Album gestellt!
Unter dem Bandnamen ist oft zu lesen: Steady Beats Soulful Vibes. Welches Genre kann man sich darunter vorstellen?
Charly: Klare Sache: wir machen Reggae. Auf unsere eigene Art, ohne zu versuchen, Klischees zu übernehmen, die uns nicht entsprechen!
Saralène: Ich würde sagen, wir machen definitiv «Reggae-Musik»! Für mich steht der Reggae für authentische, ehrliche, sozialkritische, an einen selbst angebundene Musik. Eine sehr spirituelle Musik, die es schafft mich zu verzaubern. Das Schöne daran ist, dass die Musik von Herzen kommt und das bewegt mich! Wenn wir weiterhin die Menschen verzaubern können mit «Freiheitsgefühlen», dann sind wir auf einem wundervollen Weg.
Jonas: Genre-Bezeichnungen sind ja oft in der kreativen Arbeit hinderlich. Wir versuchen etwas neues zu erschaffen und wie jede Band, die intensiv zusammen arbeitet, einen eigenen Sound zu entwickeln. Darin spiegeln sich, wie bei sechs Musikern zu erwarten, sehr unterschiedliche Vorlieben aus der bisherigen musikalischen Prägung.
Johannes: Reggae ist für mich auch ein Gefühl, eine Einstellung. Wir versuchen den Spirit des Reggae in jeden Song zu transportieren die Musik muss zum Tanzen einladen, egal welche Einflüsse im Song erkennbar sind. Viele Songs sind inspiriert durch Pop-, Jazz- oder Soul-Musik, die Musik, mit der wir groß geworden sind.
Wie seid ihr auf euren Namen gekommen?
Fritz: Der Name «SOUNDING» ist schwer zu übersetzen, weil er mehrere Bedeutungen hat. Eine gefällt mir besonders gut: Ein Verfahren, mit dem man die Tiefe des Meeres erforscht und dazu mächtige, ultratiefe Basswellen ausschickt, die vom Boden reflektiert werden, wird «Sounding» genannt. Das ist eigentlich genau, was wir auf der Bühne machen!
Charly: Gleichzeitig hebt der Name natürlich hervor, dass uns der Sound, der Klang der Band wichtig ist. Wir verbringen alle viel Zeit damit, unser Instrument zu erforschen, nach neuen Klängen oder alten Vintage-Sounds zu suchen.
Saralène: Klang ist Bewegung, ist Lebendigkeit, ist Kraft und dieses Wunder setzen wir mit einer eher ungewöhnlichen Besetzung um. SOUNDING ist ein druckvoller Sound, ohne Bläsersatz, dafür eine ganz eigene Farbe durch Charly am Vibraphon... Naja, und natürlich eine Frau am Mic. (lacht)
Wie habt ihr als Band euren eigenen Stil gefunden?
Jonas: SOUNDING ist ein Kaleidoskop aus Persönlichkeiten und Musikstilen, das in jedem neuen Song uns selbst und die uns prägenden Genres neu mischt. So werden Hip Hop, Soul, Jazz und natürlich Reggae immer neu zusammengesetzt ohne im Kern neu erfunden zu werden.
Fritz: Ein neuer Stil wird ja nicht im Alleingang entwickelt. Die Musiker von SOUNDING konnten viele wichtige Erfahrungen sammeln in Bands wie «The Magic Touch», »Fôô Fanick and One Roots«, «Voodoomoon», «The Shepherds», «Reziproke», «A-Scholars» oder auch in der Zusammenarbeit mit dem «Massaya Sound System» oder «Junior Blender* die Liste könnte man noch lange fortsetzen...
Charly: Ich glaube auch, dass man die Musik am besten durch das Spielen mit anderen Leuten lernt. Wichtig dabei ist, offen für alle Erfahrungen zu sein. Wir haben außer in den Reggaebands, von denen Fritz schon erzählt hat, in unterschiedlichsten Formationen gespielt Freejazz, Latin, Liedermachermusik...
Klemens: ...oder in Bigbands! Hauptsache die Musik geht in die Beine und bringt Druck! Ich als Drummer war der einzige, der zu SOUNDING gekommen ist, ohne vorher Reggae gespielt zu haben. Also habe ich mich hingesetzt und die originalen Reggae - Styles in meine Art zu spielen eingebaut. So bringt jeder eine eigene Farbe in die Band. Als wir uns zusammengefunden haben, war natürlich auch Sympathie entscheidend hat sich gelohnt, inzwischen sind wir auch freundschaftlich zusammengewachsen. Wir hängen zusammen rum, gehen zusammen tanzen, oder fahren zu gemeinsamen Intensivprobephasen, hören zusammen Musik... Das hört man auch!
Was macht eure Texte aus?
Johannes: Ich erinnere mich noch an die ersten Treffen mit Saralène, als wir zusammen über alte Riddims, die ich geschrieben hatte, Texte entwickelt haben. Ich kannte Saralène kaum, wir haben die Boxen angedreht und angefangen, über das Gehörte zu improvisieren, Text-Fragmente weiterzuentwickeln, stundenlang Hooklines zu verfeinern. Und von Anfang an war eine Energie da, die uns klar gemacht hat, dass hier eine besondere Symbiose stattfindet, ich schreibe Zeilen, die Saralène dann in Melodien verwandelt, die nicht mehr aus dem Ohr gehen...
Saralène: Stimmt, ich erinnere mich noch. Ich habe daraufhin dann ja auch wieder angefangen, Texte zu schreiben.
Johannes: Genau, und ihr Text »Traveling« ist sogar Namensgeber für das neue Album geworden!
Saralène: Ja, ein Text über die vielen Wege auf der Suche nach sich selbst!
Johannes: Inzwischen kann ich mir auch Saralènes Stimme besser vorstellen und schreibe viele der Texte alleine, inspiriert vielleicht durch ein Gespräch was wir einmal hatten, wie bei »Second Called Now«, oder auch über Themen, die mich persönlich beschäftigen.
Manchmal erzählen wir auch einfach kleine Geschichten, in denen man hier und da etwas Gesellschaftskritik findet, lyrische Momente, den Wunsch nach Freiheit und natürlich immer ein bisschen Liebe... Ich bin mal gespannt auf die Reaktionen, wenn die Leute das Album in der Hand halten und sich zum ersten Mal die Booklet-Texte durchlesen! Es gibt auf jeden Fall einiges zu entdecken...
...Euer neues Album: Die EP, die ihr aufgenommen hat, macht ja neugierig. Was erwartet uns bei eurer neuen Platte?
Jonas: Wir sind sehr zufrieden mit dem neuen Album. Pepe, unser Tontechniker vom Studio Erde, ist selbst großer Reggae-Fan und hat unseren Sound hervorragend umgesetzt.
Johannes: Ja, jeder Song klingt anders! Wir haben fast zwei Monate mit der Arbeit am Album verbracht und uns viel Zeit genommen, den Charakter der Stücke kennenzulernen.
Klemens: Das ist für mich auch eine wichtige Sache: Dadurch, dass ein großer Teil der Arrangements im Proberaum entstanden ist, kann sich jeder mit den Songs identifizieren, hat einen eigenen Bezug dazu. So kann man beim Spielen seine ganze Energie in die Musik pumpen.
Saralène: Musik, Bewegung, Tanzen. Freiheit zu erleben das ist mein Gefühl, wenn ich mit SOUNDING auf der Bühne stehe. Mich freut, dass diese Lebendigkeit es bis auf das Album geschafft hat - gut, dass wir alles gleichzeitig und live eingespielt haben! Es gibt dann diese Momente, die Band schwimmt gemeinsam auf einer Welle. Und am Ende des Songs grinsen alle und wissen: Das ist der Take! Die Studioarbeit macht einfach unglaublich Spaß. Am liebsten wäre ich gar nicht mehr gegangen. Ich stehe dann in dem schwachbeleuchteten Raum, vor mir die ganzen Mikrophone, ein fetter Sound auf dem Kopfhörer: und dann gibt es plötzlich nur noch die Musik...
SOUNDING ist Saralène (Vocals), Charly (Vibraphon), Johannes (Keys), Fritz (Gitarre), Jonas (Bass), Klemens (Drums). www.myspace.com/soundingberlin
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